Donnerstag, 3. März 2016

Deepam zu Besuch

Gestern fand nun also mein zweiter Färberworkshop statt. Zwei Stunden am Nachmittag kamen 12 Kinder von einer umliegenden Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu mir in den botanischen Garten um die Freude an Pflanzenfarben zu entdecken.  Das vorher mit einer Mitfreiwilligen Weltwärtslerin von Deepam geplante Event, stieß auch bei den Verantwortlichen der Schule auf viel Zustimmung, da es eine Abwechslung in den Alltag der Kids war und außerdem neben, hoffentlich viel Spaß, auch eine gute Übung für die Feinmotorik der Kinder brachte.
Ziemlich aufgeregt trafen wir dann zusammen im botanischen Garten alle Vorbereitungen für den Workshop, was bei schwülen 34°C auch sehr schweißtreibend sein kann. Da wird Blütenpflücken am anderen Ende des Gartens schon mal zu einem gefühlte Marathon.

Als alles vorbereitet war, kamen sie auch schon. Ich hatte vorher extra die Blumen mit dem höchsten Erfolgserlebnisse herausgesucht, damit auch alle viel Freude haben. Also gab es Hibiskus, Clitoria ternatea  (intensives Blau, Pink und Grün) und Bixa orellena, auch genannt Lipstick tree und diesem Namen machen die Samen auch alle Ehre, da sie eine Farbe, wie knallroter Lippenstift kreieren.
Nach wenigen Erklärungen fingen die Kinder auch schon an und freuten sich, zu unser aller Erleichterung, auch sehr über ihre selbstkreierten Farben. Ab dem Punkt huschte ich dann meist nur noch hin und her um zu helfen und zwischendurch immer mal wieder etwas auszuwaschen um mit der nächsten Farbe weitermachen zu können. Die meiste Zeit war es so ruhig, dass ich mich wirklich fragte, ob etwas falsch war und ob ich etwas anderes versuchen sollte. Doch als ich mich beunruhigt darüber bei Elisa (Freiwillige aus Deepam) äußerte, beruhigte sie mich nur mit einem strahlenden Lächeln und meinte, dass dies doch eins der besten Zeichen sei, da alle super konzentriert mitmachen und voll ins Malen vertiefen sein. Würden sie sich langweiligen sähe das alles schon ganz  anders aus.
 Für mich war es auch wirklich schön zu sehen, wie das Thema tatsächlich alle angesprochen hat, obwohl die Gruppe sehr gemischt war in Hinsicht auf Alter und Schweregrad der Beeinträchtigung. Oft sind die Sachen entweder für die einen zu schwierig oder für die anderen zu einfach, doch lösen Farben in allen eine gewisse Faszination aus.
   



Nach dem Färben gab es dann noch für alle ein erfrischendes Sirupgetränk aus der gleichen Blüte mit der sie vorher auch gefärbt hatten, was auf große Verwunderung und Freude bei den Kindern stieß, vor allem weil das Getränk herrlich lila war. 

Wir schlossen dann gemeinsam den Workshop mit einem kleinen Gang durch den Colour Garden ab und dann verabschiedeten sich die Kinder herzlich winkend und mit einem breiten Lächeln im Gesicht. 

Beim Aufräumen löste sich dann noch die letzte Anspannung von Elisa und mir und wir blickten zufrieden auf das Geschehene zurück. Alles hatte super funktioniert und jeder hatte Spaß dabei. Na dann, bis zum nächsten mal! 

Mittwoch, 2. März 2016

Auroville - "The place to be"

Wenn man abends mit Freunden typisch südindisch Dosai essen geht, dabei gefühlt jeden trifft und danach zu einem gratis Jazz Konzert geht mit einer Band, die ein Mix aus allen Altersgruppen und Nationalitäten ist und nur noch vom Publikum an Internationalität übertroffen wird, merkt man doch mal wieder, dass Auroville so etwas, wie "the place to be" ist.
Auroville and Mothers Birthday on 28th February 



Montag, 8. Februar 2016

Führerschein

Ich mache hier auch Grade meinen Führerschein für Motorrad und Auto, jaja ich weiß, ich bin noch nie Auto gefahren, aber das ist hier nicht so wichtig. Wichtig ist hier nur die Bürokratie,  das heißt man muss ganz viele Unterschriften machen,  zum Beispiel für alle 21 Fahrstunden, die man (nicht) hatte und natürlich das richtige Outfit für die Besuche in Tindivanam in der Führerscheinstelle, um den Beamten nicht gegen den Kopf zu stoßen. Ein Lächeln und indische, gute Kleidung sind das Muss für den Führerschein und wenn dem Beamten deine Schuhe nicht gefallen, ziehst du sie eben aus. Es gibt 2 Besuche dort, das erste mal füllt jemand für dich einen Zettel aus, dass du keine körperlichen Einschränkungen hast, die dich beim Fahren beeinträchtigen könnten, natürlich ohne vorher zu fragen, ob du denn wirklich Nachtblind bist oder eine Rot-Grün-Schwäche hast. Außerdem werden noch sichtbare Indifikationsmerkmale erfunden, ich habe jetzt einen Leberfleck am Nacken und eine große Narbe am linken Bein, aber was solls? Die meiste Zeit in Tindivanam  besteht aus Anstehen und dann wieder ein paar Unterschriften machen, das dauert schon den ganzen Morgen, aber man kann sich die Zeit gut mit Mücken zerschlagen vertreiben. Die Prüfung findet dann einen Monat später statt. Naja „ Prüfung“ . Es folgen noch mehr Warteschlangen und noch mehr Unterschriften und dann tatsächlich eine kurze Fahrt auf einem Motorrad. Okay, für Männer, Frauen werden nicht gerne auf Motorrädern gesehen , daher dann Scooter. Der Autoführerschein sieht dann so aus, dass man in einem Auto drin sitzt und dann lässt man es den Prüfer fahren,  während drei weitere Prüfer gewichtig um das Auto herumstehen und sich fleißig Notizen machen, wahrscheinlich sowas, wie „Oho, schöne Räder, dort müsste man mal wieder etwas Dreck wegmachen. 30°C heute. Hatte Dosai und Idly zum Frühstück.“. Aber hey, ich habe immerhin mal kurz das Gaspedal berührt und ganz wichtig, beim Rückwärtsfahren auch über die Schulter geblickt, naja, sonst hab ich aber auch nichts anders gemacht. Aber zu eurer Beruhigung, der Führerschein ist NUR 6 Monate in Deutschland gültig,  danach muss man nochmal die Prüfungen machen.
Und ganz nebenbei, auch wenn mein Motorrad jetzt vielleicht nicht den TÜV überbestehen würde und so die ein oder andere Macke hat, ich hab es trotzdem sehr lieb. Eine schwarze Bajaj TC100. Und Motorrad fahren macht schon echt Bock.

Workshop und Colour Garden

Hallo hallo,

es ist wieder etwas Zeit ins Land gegangen und wieder viel passiert.

In meinem letzten Bericht habe ich Euch darüber informiert, dass wir mit den Pflanzungen im neuen Färbergarten des botanischen Gartens Auroville angefangen haben. Mittlerweile haben wir die Wege angelegt, eine schicke Bank gebaut und mit dem Bau eines kleinen Pavillons begonnen. Fast alle Pflanzen sind in der Erde und aus dem anfänglichen Chaos ist ein feiner, junger Garten entstanden. Das Booklet mit den südindischen Färberpflanzen umfasst mittlerweile schon um die 60 Pflanzen mit Beschreibungen über Färbeverfahren und die Art der Nutzung und einigen weiteren Informationen zu jeder Pflanze. Außerdem gibt es parallel dazu noch eine Liste mit bisher 85 Arten. Da ich mich beim Booklet irgendwann begrenzen musste, versuche ich bei der Liste alle Färberpflanzen möglichst vollständig zu erfassen. Alles in allem ist es eine schwierige Recherchearbeit, die meine Nachmittage füllt.

Am letzten Januarwochenende habe ich nun mit dem Teil meiner Arbeit beginnen können, der mir ganz besonders am Herzen liegt, die Bildungsarbeit. Am Samstag fand mein erster Workshop zum Thema „Färben mit Pflanzenfarben“ statt. Den Workshop hatten wir im vor hinein auf 15 Plätze limitiert, da dies noch eine angenehme Gruppengröße darstellt. Am Ende hatten wir mehr als 30 Anmeldungen und noch viele weitere Interessenten. Ich hätte wirklich nicht mit einer so großen Resonanz gerechnet. Im Büro des botanischen Gartens fingen meine Kollegen also schon an über weitere Kurse zu reden, bevor ich den ersten überhaupt gegeben hatte. Langsam wurde ich also doch nervös. Würden die Leute interessiert sein, wäre mein Englisch und noch viel wichtiger, war mein Wissen ausreichend?
Am Samstag fanden sich nun also 15 Menschen aus beinahe genauso vielen Ländern zusammen. Der Kurs fing mit einer Führung durch den neuen Colour Garden an. Ich erklärte die Pflanzen und spickte alles mit mehr Hintergrundinformationen und den Vorgehensweisen bei meiner Arbeit. Ich war stolz den Garten, den hauptsächlich wir zwei Menschen (Flo und ich) errichtet hatten nun endlich vorführen zu können und mein erlerntes Wissen an andere weitergeben zu können. Nach der Führung ging es dann ans Experimentieren, da hieß es Ärmel hoch und Finger bunt! Der Tisch war angerichtet und so stürzten sich die Teilnehmer auf die Kokosnussmörser und die vorher von mir gesammelten Blüten. Nach der kurzen Einführung war vielleicht noch nicht alles so klar, aber die Lust war geweckt und so fingen alle an selber zu färben. Hier und da wurden noch letzte Fragen geklärt und ein paar Hilfen gegeben, aber überall waren die Menschen fleißig und begeistert (!) dabei. Wir färbten mit Hibiskusblüten, Bougainvillea Blüten in den verschiedensten Farben und mit Plumeriablüten. Jeder hatte Papier und konnte sich an den Farben ordentlich austoben. Diese wurden immer wieder durch Veränderung des pH-Werts geändert, z.B. durch Zugabe von Zitronensaft oder Natron. Als schließlich alle Fragen beantwortet, alles Material verfärbt und die E-Mail Adressen ausgetauscht waren, merkte ich, wie k.o. ich war. Zufrieden, aber fertig. Ich bekam sehr viel positive Rückmeldungen und viele Anfragen für weitere Workshops. So plane ich mit einem tamilischen Kollegen einen Workshop für die Dorffrauen, den er dann dolmetschen wird, Deepam (eine Schule für Kinder mit besonderen Bedürfnissen) hat sich für einen Besuch mit ein paar der Kinder angemeldet. Ein tamilischer Architekt, der am Workshop teilnahm, sagte, dass er gerne mit seinen ebenfalls sehr interessierten Kollegen an einem Kurs teilnehmen möchte. Auch ein paar interessierte Schulklassen gibt es schon und dazu kommen noch die vielen Interessenten sowohl aus meiner weltwärts Gruppe, als auch von denen, die im ersten Workshop leider kein Platz mehr fanden. Der zweite Workshop ist  bereits für Ende Februar angesetzt und es wird noch viele mehr geben. Auch, wenn es viel Arbeit ist mit der Vorbereitung und Durchführung und wohl noch einige Wochenenden mit Arbeit dazukommen werden, so ist es das doch auf jeden Fall wert, da dies ja auch mein eigentliches Ziel neben der Gestaltung des Färbergartens war. Denn was nützt dieser Garten, wenn das Wissen darum nicht geteilt und weitergegeben wird? So freue ich mich auch dieses Mal sehr auf die Arbeit, die noch vor mir liegt und möge mein letztes halbes Jahr hier nicht zu schnell vorübergehen.

Balderton hoffentlich mehr Bilder folgen ;D dauert immer etwas, weil ich leichte technische Probleme habe....




Sonntag, 27. Dezember 2015

1. Quartalsbericht

Kira Wisnewski, Botanical garden                                        Auroville, November 2015


1.Quartalsbericht

Seit nun drei Monaten arbeite ich schon im botanischen Garten. Einen Ort, der sich auf besondere Weise für den Erhalt der Biodiverasität Tamil Nadus und Südindien einsetzt. Außerdem beheimatet er viele eigene Umweltbildungsprogramme, die vor allem auf Schulgruppen ausgelegt sind und ihnen dort Themen, wie die traditionelle  Pflanzenheilkunst Tamil Nadus und den einheimischen, jedoch fast ausgerotteten Wald, den Tdef (tropical dry evergreen forest ) näher bringt.

Seit meine Arbeit im botanischen Garten gestartet hat, habe ich viele verschiedene Aufgaben machen dürfen und so in ziemlich alle Bereiche einen Einblick gehabt. Die Arbeit ist sehr vielseitig und abwechslungsreich,  auch wenn sie Etappenweise auch mal etwas eintönig war. Vieles hängt eben auch davon an, wer von den anderen Arbeitern gerade im botanischen Garten ist und ob dringende Arbeiten anstehen. Von unserer Weltwärtsgruppe ist noch Florian dabei und gemeinsam haben wir mit Martin (der auch weltwärts Mentor ist und viele Jahre im botanischen Garten arbeitet) in der ersten Arbeitswoche angefangen Löcher zu graben und Bäume zu pflanzen, allerdings in der prallen Sonne und einer Hitze… Für mich stellte sich also sehr schnell heraus, dass ich doch einen Arbeitsplatz in der Nursery mit vielen Bäumen und weniger, harter körperlicher Arbeit bevorzuge, auch wenn ich beim Bäumepflanzen vieles gelernt habe, was mir im weiteren Verlauf meiner Arbeit die nötigen Grundlagen gab.
Also arbeitete ich von da an in der Tree Nursery des botanischen Gartens. Dort werden verschiedene Pflanzenarten und viele Bäume des Tdef angezogen und für den Verkauf und den Eigenbedarf des Gartens vorbereitet. In der Nursery stehen also tausende kleinere und größere Pflanzen in den sogenannten „Bags“ und warten auf den Zeitpunkt an dem sie eingepflanzt werden. Eben diese bags benötigen aber auch eine ganze Menge regelmäßige pflege, die Taschen gehen irgendwann kaputt,  durch Zeit oder widerspenstige Wurzeln und so müssen die kleinen Pflänzchen umgetütet (rebagged) werden. Da Paul, der Chef des botanischen Gartens,  den Entschluss gefasst hatte, dass die gesamte Nursery mal wieder aufgeräumt werden soll und wirklich viele Bags in einem wirklich schlechten Zustand waren, hieß es also viele Stunden an vielen Tagen rebagging. Diese Aufgabe ist zwar auf Dauer recht eintönig , wird aber durch die interessanten Gespräche mit den anderen Freiwilligen aus der ganzen Welt und dadurch dass man eben einen Platz im Schatten hat zu einer netten Beschäftigung. Dazu kamen dann natürlich noch eine Reihe anderer Aufgaben. Ich habe viele Stecklinge gemacht, um gewisse Pflanzensorten zu vermehren oder wir haben den in der Sonne liegenden Bereich der Nursery,  wo die Pflanzen  hinkommen, die schon kräftiger sind, aufgeräumt. Da hieß es dann viel hin- und hertransportieren und hunderte Pflanzen mit Schubkarren von einem Ort zum andern bringen und dazu noch die Stellflächen aufräumen und von Unkraut und sonstigem befreien. Immer mal wieder muss einiges zurückgeschnitten werden und das Unkrautjäten ist quasi eine Endlosaufgabe. Die Arbeit in der Nursery hat mir schon Spaß gemacht und war weniger anstrengend als das Bäumepflanzen, doch brütet ich nachmittags schon seit einiger Zeit über meinen eigenen Plänen für den botanischen Garten und mein Jahr dort. Die meiste körperliche Arbeit wurde in der Regel vormittags erledigt während es nachmittags eher Office work gab. Allerdings hatte man auch nur wirklich was zu tun, wenn man sich etwas eigenes gesucht hat, an dem, man arbeiten konnte. Einer meiner Pläne für das Jahr ist es einen Färbergartner im botanischen Garten zu kreieren, da ich in Deutschland eine Färbergärtnerausbildung gemacht habe und nun gerne etwas von dem Wissen in mein Projekt einfließen lassen will. Nun, da ich mich jedoch eher mit deutschen, als mit indischen Färberpflanzen auskenne, musste ich erst einmal die nötigen Grundlagen für einen indischen Färbergarten herausfinden. Die Zusage, dass ich sowas im botanischen Garten entwerfen könnte, hatte ich von Paul nämlich sehr schnell, da er sich gut von der Idee begeistern ließ. Da ich am Anfang, wie gesagt, keine Ahnung von den hiesigen Pflanzen oder der traditionellen Arbeit mit ihnen hatte, hieß es für mich erstmals vor Ort zu recherchieren. Viele Gespräche und alte Bücher sollten mich bald weiterbringen. Mein Dank gilt an dieser Stelle insbesondere Jesus (in Auroville werden quasi nur Vornamen verwendet), dem Gründer von Colours of Nature, einem Auroville Projekt, was sich der Textilfärbung mit Pflanzenfarben verschrieben hat. Dort gab es für mich viele Informationen, Erfahrungsberichte und interessante Diskussionen über meine Ideen. Nach gut 1 ½ Monaten stand also meine Liste mit Färberpflanzen fest. Diese wurde dann noch einige Male mit Paul durchdiskutiert. Welche Pflanzen können hier wachsen, welche haben wir vielleicht schon zusammen stehen und welche sind pflanzbereit in der Nursery? Viele Stunden habe ich damit verbracht, die Bäume, die Sträucher und auch die Kräuter, die für den Färbergarten geeignet sind, kennenzulernen.
Gleichzeitig fing ich mit der Planung an, wie und auf welche Weise ich das Ganze hier im Botanischen Garten umsetzen will. Das war zum Teil leider auch echt deprimierend, da mir öfters Plätze im Garten zugewiesen wurden, wo der Färbergarten entstehe könnte, ich meine Pläne für diese Stelle ausarbeitete und mir dann ein neuer Ort zugeteilt wurde. Aber aller Komplikationen zum Trotz habe ich nun einen Ort im Botanischen Garten, wo alles entstehen kann. Im economical forest haben wir einen geeigneten Platz gefunden, wo auch schon einige meiner Pflanzen wachsen. Die Pläne und Zeichnungen stehen und die Arbeit hat begonnen.
Es ist wirklich spannend, dass ich  hier Arbeiten machen kann, mit denen ich sonst nie in Berührung gekommen wäre. Hier entwerfe ich Pläne, male Skizzen, kreiere Wege und überlege, welcher Baum am besten neben welchem steht. Es macht wirklich Spaß langsam mit der Gestaltung meines eigenen Projekts anzufangen. Und es ist so viel Arbeit! Bisher haben wir vor allem Zeit damit verbracht, die bisher wenig genutzte und wenig umsorgte Ecke des Gartens wieder etwas aufzuräumen und die Bäume freizuschneiden, da in den Tropen immer alles sehr schnell von Pflanzenparasiten und Kletterpflanzen überwuchert wird. Ich habe die Löcher markiert und ein kleiner Bagger hat sie für mich ausgehoben. Nun sind sogar schon alle Bäume, die wir bisher zusammentragen konnten in der Erde. Das war auch wieder ein ganzes Stück Arbeit, jedoch nimmt man das nochmal anders wahr, wenn es sich so um das eigene Projekt handelt und man selbst entscheiden hat, wo welcher Baum, warum stehen soll. Bald folgen noch die Büsche und die übrigen Pflanzen. Alles nimmt allmählich Gestalt an und ich freue mich, es wachsen zu sehen.
Wenn der Garten erstmal steht, werde ich versuche ihn und mein Wissen mit anderen Projekten zu verknüpfen und in das Bildungsangebot des botanischen Gartens zu integrieren. Außerdem entsteht nachmittags gerade ein kleines Booklet in dem ich mein Wissen über die Färberpflanzen an andere weitergebe.
Zwei Tage die Woche helfe ich meistens auch noch im ornamental Garden, es sei denn der „Colour Garden“ bedarf zu viel meiner Aufmerksamkeit. Seit Frank und Bärbel nämlich seit kurzem aus Deutschland mit frischen Visa zurückgekehrt sind, wird meine Hilfe dort auch sehr herzlich entgegengenommen und wir räumen den ganzen Garten auf. Es ist immer ein tolles Erfolgserlebnis, wenn man an einer Stelle im Garten anfängt, die komplett überwuchert ist und ziemlich ungepflegt aussieht und man am Ende vor einer freien Fläche mit schön gestutzt Sträuchern und hübschen Blumen steht, die vorher unter all dem anderen Grün kaum zu sehen waren.
Freitags ist außerdem Farnhaus-Tag, wo ich mit Frank ins Farnhaus gehe und wir neue Arten begrüßen, aufräumen und umbauen und wir uns beide freuen, jemand anderen mit einer Begeisterung für Farne gefunden zu haben.
Ich liebe wirklich meine Arbeit im botanischen Garten. Nicht nur die Arbeit mit den Pflanzen und die gestalterisch, kreative Arbeit machen diesen Ort so besonders, sondern auch die anderen Menschen mit denen man dort arbeitet und die einen so familiär aufnehmen. Und gibt es etwas besseres als nachmittags durch den ruhigen Garten zu spazieren, während die Sonne rot wird, wie die Erde?
Ich habe noch viele Ideen und Baustellen und freue mich einfach darauf das alles anzugehen.

Dienstag, 22. Dezember 2015

Pondy

Pondy (Puducherry)
Wenn man sich mal ganz indisch fühlen möchte (muss man zu erst raus aus Auroville), setzt man sich am besten in einen der Gouvernement Busse und fährt nach Pondy oder sonst wohin. Die Busse sind super! Fahren zwar nicht, wenn es regnet und haben auch nur einen Fahrplan, den man eben kennt, weil man neben einer „Haltestelle“, die man eben kennt, weil dort immer mal wartende Menschen stehen, wohnt und das Horn des Busses eben absolut unüberhörbar ist. Oder man kennt den Fahrplan eben nicht, Aushänge oder Informationen im Internet gibt es nicht. Naja meist muss man nicht lange warten, wenn man in Kottakarai an der Straße steht. Von Auroville fährt ein eigener Bus mit Fahrplan und so, aber die Fahrten sind rar und die Verspätungen beinahe im Stundenbereich und wer will schon 30 RS zahlen, wenn man auch für 8 RS nach Pondy kommt? In jedem Bus sind 2 Angestellte des öffentlichen Dienstes, Busfahrt und Kontrolleur von dem man auch erst erfährt wohin der Bus denn geht, wenn man kein Tamil lesen kann.  Die Busse sind oft beleuchtet und haben immer bunte Dekoration mit irgendwelchen Göttern und (fake) Blumengirlanden, meist spielt dazu sehr laute indische Musik nach Geschmack des Fahrers, jeder hat seinen eigenen Mix. Wenn man also in einem Bus mit bunten, flackernden Lichtern und lauter Dancemusic steht, fühlt man sich schon sehr indisch (und halb au einer Party). Frauen und Männer sitzen, wenn möglich getrennt, außer man gehört zu einer Familie oder dringliche Platzgründen treten auf. Die Frauen tragen alle bunte, schimmernde Saris und freuen sich über das Bindi,  das du trägst. Alle sind super hilfsbereit und sagen dir, wo du am besten aussteigst. Allgemein hat man wohl noch nie ein so gastfreundliches Land, wie Indien erlebt, man muss nur etwas verwirrt an der Straße stehen und jeder wird dich fragen, ob alles in Ordnung ist und dir den Weg überallhin weißen und falls du mal dein Handy in den Pond wirfst, wird sofort ein Kumpel angerufen um herzukommen und hinterherzuspringen (so passiert Jana). In Pondy kommt man meist am Busbahnhof an, ein unglaubliches Getümmel dort. Kontrolleure schreien ihre Ziele hinaus und überall fahren Busse ein und ab. Es gibt viele Stände mit Süßem und irgendwelchen frittieren Zeug. Von hier aus kann man jetzt in die Innenstadt laufen oder man nimmt ein Tucktuck (sieht aus wie ein Motorrad mit der Rädern und ner Kabine drauf). Die Tucktucks  sind mit 100 RS allerdings hier recht teuer und da sie sich gut abgesprochen haben lässt sich schlecht verhandeln. Laufen dauert zwar etwas ist aber ein tolles Erlebnis , da man die Möglichkeit hat alles viel genauer zu betrachten. Es ist alles ein buntes Gewusel mit vielen Menschen und Gefährten, die alle unablässig hupen, dazu kommen dann noch Kühe und Ochsenkarren und man wundert sich, wie trotzdem noch alles voran kommt. Man bräuchte viel mehr Tage, als wir haben, um alle Ecken von Pondy ungefähr zu sehen. Es gibt die Haupteinkaufsgegend mit ein paar Hauptstraßen und vielen Nebenstraßen und einen unübersichtlichen, überfüllten, überdachten Markt, das weiße Viertel (ob wegen der weißen Gebäude oder den Franzosen, die einst hier lebten?) in dem die Straßen ruhiger und die Häuser westlicher sind und außerdem der Sri Aurobindo Ashram liegt und ganz viel pure, unüberblickbare Stadt. Man findet alles und nichts in Pondy und meist ist man zu überansprucht, um die Sachen zu finden, nach denen man suchte. Aber man kauft immer was. Im allgemeinen herrscht auch in Pondy Weihnachtsstimmung, überall gibt es Glitter und Santa Masken und Plastikweihnachtsbäume, Krippen und Jusi  (ganz eindeutig die Mehrzahl von Jesus) und so viel Plastikdeko um ganz viele neue Müllhalde zu schaffen. Auch die Inder finden Weihnachten ne gute Idee und bei ihren 330.000.000 Göttern, ist es eigentlich auch egal, wen man da noch hinzufügt. Nun trotzdem kommt bei uns in der Gruppe nicht wirklich ein Weihnachtsgefühl auf (könnte an den 29°C draußen liegen) und deshalb heißt es bei uns auch Jesus Puja (alles, was man mit den Göttern zelebriert ist eine Puja).
Ach ja, in Pondy gibt es immer so viel zu sehen und zu erleben, dass man danach doch etwas froh über das stille, gemütliche Auroville ist. Nach einem Tag aus Lärm und Eindrücken ist diese bekannte Umgebung doch schon nett, auch wenn es super spannend wäre, mal in Pondy zu wohnen.